Hundeleben im Wedding

Zeitangaben im Artikel sind bereits zum Zeitpunkt der Veröffentlichung minimal vertagt …ich gestehe, ich haderte.

Bereits gestern nahm mich das literarische Schaffen des Ministers für innere Schönheit mit. “Mit” – in die Welt der Labormaus. “Mit” – auf dieser “Aua Welt & Seele”-Schiene. Heute morgen ging die Fahrt an derselben Stelle weiter. Diesmal mit einem wirklich bedrückend eindrucksvollen Film über Hunde, welche aus dem Versuchslabor flüchten und ein echtes Leben suchen:

Was mir am gestrigen Tage also zum Thema durch den Kopf schoß, sich aber keinen Weg durch die Sprachlosigkeit schlug, sondern an diversen Schranken* aufgehalten wurde, muss nun doch raus. Ich starte allerdings keine Aufrufe oder propagiere irgendwelche Handlungsempfehlungen – ich habe mich aus guten Gründen** bereits kurz nach dem Projekt “Schöpfung der Erde, aus dem aktuellen Tagesgeschehen zurückgezogen und dabei bleibt es.

Sich nun in Nacht- & Nebelaktionen der Befreiung versklavter Tiere zu widmen, ist ja aus rechtlichen, zeitlichen oder sonstigen Gründen nicht wirklich jedes Menschenkinds Sache.
Kritischer Konsum, welcher ja immer wieder in Zeiten der akuten Empörung & des Skandals zum politischen Druckmittel des scheinbar machtlosen Endverbrauchers schlechthin avanciert, gestaltet sich, wie eine ebenfalls im Ministerium für innere Schönheit entwendete Liste beweist, nicht nur in dem Fall als recht sperriges Instrument der Auflehnung. Zudem habe ich an diesen Methoden meinen ganz persönlichen Zweifel – auch wenn ich diverse Hersteller, Produkte et cetera ebenfalls boykottiere. Ohne den aktuellen Skandal im Hintergrund, ist entweder der Einbruch von Verkaufszahlen minimal und zudem die Gründe für eine Weigerungshaltung, so denn nicht von Medien oder Demonstrationen klar formuliert für den jeweiligen Konzern nicht nachvollziehbar. Meist verpufft der ganze Effekt darin, dass auf Händlerseite einfach dem Marketing noch ein wenig mehr Feuer unterm Hintern gemacht wird, womit im “Idealfall” die kritischen Nicht-Käufer durch neue Kundengruppen oder ein verstärktes Kaufverhalten seitens der (Noch-)Käufer ausgeglichen werden. Eine langfristig umsichtige wie sich selbstständig aufgeklärende Käufermasse, halte ich halt für eine verträumte Utopie. Doch bekanntermaßen kann ich auch schwer von traumhaften Ideen trennen.

Doch was mir nun gestern wie heute eigentlich durch den Kopf schoss, ist eine überaus persönliche Sache. Ein Umstand, der mich immer mal wieder verstört, maßlos aufregt und in gewisser Weise so widerwärtig hilflos fühlen lässt. Ich gebe mich jetzt mal ungewohnt Obrigkeitshörig, eine Haltung auf der ich noch nicht so viel Erfahrung gesammelt habe, der Konzern, welchen ich im folgenden mit Mutmaßungen und gesammelten Erfahrungsberichten in Verbindung bringe, möge mir meine etwaige Unbeholfenheit verzeihen. Doch ich lebe im Schatten – im Schatten der Festund Bayer-Schering.

Klaut Schering Hunde?

Ich wohne seit einigen Jahren unweit der Schering AG in Berlin Wedding. Ein großer Gebäudekomplex den ich noch nie von innen sah. Vermutlich Labore, Büros und sonstig Unkurioses. Im Umkreis des Hauptsitzes jener ehemaligen Aktiengesellschaft, welche nun wohl vollständig in Bayer HealthCare Pharmaceuticals aufgegangen ist, verschwinden seit Jahren immer wieder Hunde. Klar, das passiert nicht nur dort. Eine besondere Häufung solcher Vorkommnisse kann ich ohne gesicherte Daten natürlich nur als rein gefühlt höher einschätzen, als außerhalb des mutmaßlichen Einzugsgebietes für Versuchszwecke. Die Stories, welche betroffene Ex-Hundebesitzer zu berichten haben, sind immer wieder aufs neue kurios. Da wird von stets treu hinterhertrottenden Hunden berichtet, welche nach dem Gang über den Nettelbeckplatz plötzlich nicht mehr an vermuteter Stelle hinter ihren Besitzer_innen laufen. Viele Hundebesitzer_innen lassen aufgrund der Vorkommnisse ihre vierbeinigen Begleiter nicht mehr einfach unbeaufsichtigt vor den umliegenden Supermärkten warten, denn hier befinden sich einige der Knotenpunkte jenes Wuffmuda-Dreiecks.
Die Gerüchte unter den Halter_innen über das, was dort im Schatten des Gebäudekomplexes abläuft, reißen jedenfalls seit Jahren nicht ab. Doch wie beweist mensch so etwas?

Kürzlich kam einer der verlorenen Hunde nach zwei Monaten zurück. Er stand urplötzlich vor der Haustür seiner Menschen. Rasiert. Nadeleinstiche. Hochgradig verstört. Das anfängliche Glücksgefühl über die Wiederkehr ihres geliebten Vierbeiners schlug innerhalb kürzester Zeit in Wut, Trauer & Hilflosigkeit um. Aus einem ehemals ausgeglichenen wie liebevollen Familienhund war ein Bündel Angst geworden. Nach den Geschehnissen und dem Ort seines Verbleibs zu fragen, ist bei einem Hund nun wahrhaft aussichtslos. Die Injektionsstellen sind keine eindeutigen Beweise. Die Familie, zu welcher der Hund gehört, scheut sich vor einer Klage. Mit welchen Beweisen auch? Die Menschen des Berliner Bezirks Wedding sind nicht gerade für ihren Reichtum bekannt – die Warteschlangen vor dem Jobcenter müssen an manchen Tagen polizeilich überwacht werden, damit sie auf der 150 Meter entfernten Kreuzung den Verkehr nicht zum Erliegen bringen. Vielleicht rekrutiert sich daraus ja genau das passende Klientel, bei welchem die Chancen, in einer juristischen Auseinandersetzung mit dem eigenen gut bezahlten Anwaltsteam zu bestehen, besonders günstig liegen. Besser jedenfalls als in Villengegenden, welche gerüchteweise auch in der “arm aber aber sexy”-Metropole existieren.
Vielleicht handelt es sich auch lediglich um eine dieser hartnäckigen urbanen Legenden. Diese Ansammlung an Mutmaßungen klingt für Außenstehende, ja sogar für die Hundebesitzer_innen selbst hochgradig nach einer paranoiden Verschwörungstheorie. Denn hat es ein solch großes Unternehmen wirklich nötig, für Tierversuche Hunde von der Straße zu entwenden? Ich weiß es nicht. Ich weiß ja noch nicht einmal, woher die Hunde für Laborversuche auf legalem Weg bezogen werden. Ich will das auch gar nicht wissen. Meine Rosa Brille ist eh schon ein fragiles Etwas, was lediglich durch puren Zufall und das Glück der Unbedarften, entgegen aller physikalischer Gesetze nicht auseinanderfällt.
Womöglich sind alle Anhaltspunkte, die ich so im Laufe meiner Wohnnähe zu Schering so sammelte, lediglich eine Anhäufung von Zufällen. Vielleicht handelt es sich bei den Hundebesitzer_innen im Umkreis jenes Gebäudekomplexes lediglich um eine besonders schusselige Menschenansammlung, die schlichtweg keine Ahnung haben, wie der Hund an sich möglichst nicht abhanden kommt. Wahrscheinlich projezieren sie die Ergebnisse ihrer eigenen Unzulänglichkeit nur auf den naheliegenden Konzern – unfähig die Schuld beim wahren Übeltäter zu suchen – sich selbst. Dennoch, nur um sicher zu gehen, falls das hier mal irgendwer liest, der gerade nach Berlin Wedding zog oder da schon wohnt und sich erst kürzlich einen Hund zulegte, somit also vielleicht noch nicht in den Genuss der kursierenden Ammenmärchen durch andere Hundehalter_innen gekommen ist:

Hab ein Auge auf deinen Hund! Immer.
Habe zwei Augen auf deinen Hund, wenn du mit einem unangeleinten Hund durch den Wild Wild Wedding streunst.

* Diverse Schranken:

  • Schranke 1: Gibt es nicht zahlreiche “wichtigere” Sachen über die du schreiben könntest? – Ja, aber tust du ja eh nicht.
  • Schranke 2: Möchtest du dich mit unhaltbaren Anschuldigungen der Gefahr aussetzen, deine nicht vorhandenen Ersparnisse in die Rachen einer Armada von Juristen schleudern zu müssen? – Ach komm hör auf, ich beschuldige niemanden! Ich reihe lediglich auf der Straße aufgeschnappte Äußerungen aneinander, gebe zufällige Geschehnisse wieder an einem Ort, wo eh kaum wer vorbeischaut ;)

** Schöpfung erwies sich als über die Maßen beratungsresistent und renitent

 

11 Responses to 'Hundeleben im Wedding'

  1. Balin, Balin, mich graut vor dicke – oder so! Aber seriös: möglich ist so etwas sicher, denn moralische Bedenken sind solchen Firmen eher fremd, würde ich meinen. Und da wir in unserem Land Meinungsfreiheit genießen, dürfen wir so etwas auch meinen. Nur nicht behaupten! Und zu verifizieren sind solche Berichte eher selten. Leider – oder doch “gottseidank” ?! Denn natürlich werden auch Legenden gestrickt; mensch weiß so wenig … Sicher hingegen ist, dass Schranken im Kopf entfernt werden müssen und wir alles tun, sagen, schreiben sollten, was wir für absolut wichtig und unabdingbar halten. Ist ja schließlich unser Leben. Für selbstverständlich hingegen hielt ich es bisher, seine vierbeinigen Freunde stets “im Auge” zu behalten. Aber gut, in Balin …:evil:

    • DillEmma says:

      Also auf mein jetziges Viech werfe ich stets alle Argusaugen, Der braucht das allerdings. Mein letzter Vierbeiner hatte allerdings eher die seinigen auf mich gerichtet. Da hatte ich nicht einmal im Ansatz Gedanken, dass dem was passieren könnte. In minimal vagabundistischen Phasen konnte ich mich eher drauf verlassen, dass Freaky (besagter Treu-Wusch) meinen mich auch beim Streunen durch die weite Welt, beim Schlaf auf Wies’ & Feld weder verlässt, noch aus dem Auge lässt. Alles, was nicht zum Mensch-Tier-Rudel zählte, wurde mit einem großen Bogen kommentiert und einige Wurstfachverkäufer_innen sind wohl ob seiner Arroganz (“das reicht mir ein_e Unbekannte_r, das ess ich nicht”) tief im Herzen vergrätzt worden. Den konnt ih auch gern mal länger vor irgendwelchen Gebäuden stehen lassen, einfach Halsband ab (analog zu Zündschlüssel raus) und der Hund war sicher. So etwas würde ich heute nicht mehr tun, und vielleicht färbt eben diese Überglucke auch auf die jetzige Fellnase ab ;)

  2. :evil: Der Teufel muss doch kommen …

  3. spekulieresich says:

    Also ick noch ein kleener sichi war, musste ick auffen Schulweg immer einen Spielplatz durchqueren der auf zwei Seiten von Mauern und auf den anderen zwei Seiten von Wuchs umrandet war. Wer Spielplätze im Osten kennt, der weiß, dass die auch ohne Verdunklung grau und gruselig waren. Jedenfalls zog es an diesem Spielplatz ein düster blickender alter Mann von seinen Schäferhund spazieren zu führen. Schnell machte das Gerücht die Runde es muss sich dabei um ein Kindermörder handeln der seine Hund dazu abgerichtet hat jene welche zu fangen. Natürlich hatten alle Kinder Angst und niemand spielte auf besagtem Platz. Kleen Sichi bemühte sich auch immer den Platz schnellst möglich, mir nur halb voller Buxe zu durchqueren. Niemand wollte den Kindern glauben und alle waren wie schock gefroren wenn sie diesen alten Mann mit dem furchteinflösendem Schäferhund sahen. Eines schönen Tages erwischte der alte Mann aber den Sichi doch und zwar als der mit seiner Mutter zum Fleischer wollte. Nun sind sie fällig dachte sich Sichi und er schloß mit seinem Leben ab. Blöderweise stellte sich nach einer Unterhaltung heraus dass der alte Mann mit dem Hund, ein alter Mann mit nem Hund war, der , mal abgesehen von uns, vielen für seine Größzügigkeit bekannt war und wahrscheinlich weder Fliegen noch Mücken geschweige denn Kinder jemals was getan hätte. Worauf ick hinaus will, Schering hat sicherlich, bzw. evtl. wahrscheinlich möglicher Weise, so wie ich vielleicht gehört haben könnte, wobei ich mich sicherlich irre (so, rechtliches dürfte geklärt sein) den ein oder anderen Schmutzfleck am Kragen wenn nicht sogar diverses im Keller versteckt. Aber manchmal ist ein Gerücht auch nur ein Gerücht. Wieso sollte sich ein Großunternehmen die Mühe machen zu warten bis jemand nicht auf seinen Hund achtet wo doch die Tierheime überfüllt sind? Und wie schaffen die es an, wahrscheinlich, ein und der selbe Stelle immer wieder Hund zu stehlen ohne das die auf sich aufmerksam machen? Und wieso gehen an dieser Stelle genau immer ide Leute mit ihrem Hund gassi die nicht auf sie achten? Und wieso achtet keiner auf sein Tier und merkt erst später dass sein Hund weg ist ohne auch nur ansatzweise einen Anhaltspunkt zu haben was geschehen ist? Und wieso sollte Schering Leute dafür bezahlen den ganzen Tag auf der Lauer zu liegen wo es doch gesagt einfach wäre? Jut, man hat angeblich Pferde vor diversen Apotheke kotzen sehen, und von Engelhaftigkeit ist der Konzern sicherlich auch nicht, aber ick für meinen Teil find das doch sehr spekulativ, vorallem weil man sich selbst ja nur auf die Lauer legen müsste um es nachzuweisen. Aber als Auruf verdammte Scheiße doch besser auf sein Tier aufzupassen und zu hinterfragen was denn der ein oder andere große Konzern so alles im geheimen Kämmerchen treibt, ist der Artikel spitze und verdient meinen gehobenen Daumen.

    • spekulieresich says:

      hui, so lang sollt´s nich werden

    • DillEmma says:

      So’n Kindermörder hatten wa ooch, der stellte sich dann zwar “nur” als “harmloser” Exhibitionist heraus, aber sowat kann ooch schon manch Kinderseele arg verstören. Allerdings waren wir eher so im reziproken Modus, so schmiedeten wir des Öfteren Pläne, wie wir den vermeintlichen Mörder ausstricksen und fangen könnten. EIner der Pläne endete, so glaube ich mit einer Bondage-Einlage aus Pasta – der Demütigung halber. Sehr ernst zu nehmen!

      Nun jut, wie jesagt, ick behaupte nix. Bin aber auch aus diesem Grund froh, bald dem hiesigen Schatten zu entfliehen :P

      • spekulieresich says:

        unsere hatte n bösartijet Raubtier bei, den konnteste nüscht mit lasche Spajetti anham :o
        und wer weeß wat sich nich allet bei neu-dir rumtreibt
        dit jibbt ja n Grund weshalb ick im Süden wohn ;)

        • DillEmma says:

          Ick will ja nich über Vorurteile zu deinen Gefilden anfangen, aber kann mensch (also icke) da getrost nachts auffe Straße? Würd ick mancherstraß ooch bezweifeln :P

          • spekulieresich says:

            ach bei die janzen kaputten hier fällste jarnich uff und bisher is dir hier ja ooch nüscht passiert
            da hätt ick mehr Buxe voll bei dir da inner Jejend, aber dit werd ick nie erfahrn, werd ja ümma ausjeladen :o

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